
Nach langen Spekulationen wissen wir jetzt endlich näheres zu den geplanten Veränderungen auf dem Hertie-Areal in Moabits Mitte an der Turmstraße. Der Investor MiB AG plant, das bestehende Gebäude umzubauen und die Bereiche Untergeschoß/Erdgeschoß/1.OG für Handel, den Bereich darüber als Hotel zu vermarkten. In der Erdgeschoßebene zur Turmstraße hin wird es 6 Geschäfte sowie den Hotelzugang geben, eine vergleichsweise kleinteilige Umsetzung also, die den an der Turmstraße üblichen Ladengrößen entspricht. Als Ankermieter stehen bereits dm und C&A fest, jeweils im EG und im UG und durch Rolltreppen verbunden. dm wird auf rund 745 qm den Bereich zum U-Bahn-Eingang hin nutzen, C&A den östlichen Teil auf etwa 2040 qm (jeweils EG und UG zusammen). In den für die Hotelnutzung vorgesehenen oberen Teil des Gebäudes sollen 2 Lichthöfe ab dem 2. bzw. 3. OG eingebaut werden. Insgesamt entstehen so 8.500 qm Verkaufsfläche und 120 Stellplätze, wie bisher auch im Hof untergebracht. Die Eröffnung zumindest der Läden soll im Herbst 2012 stattfinden.
Darüber hinaus ist ein zweiter Bauabschnitt geplant, der die Planung des Bereichs Strom-/Ecke Turmstraße entlang der Stromstraße umfaßt. Das riesige Hertie-Grundstück läßt ja einiges an Gedankenspielen zu. Nun wissen wir, dass der Investor Einzelhandelsnutzungen plant, die sich zur Stromstraße hin orientieren. Darüber hinaus soll “im Rahmen eines Architekturwettbewerbs”(!) eine attraktive Eckausbildung an Turm-Ecke Stromstraße erfolgen. Noch hat der Investor nicht einmal das Eckgrundstück erworben…

Planung für das EG (MIB AG)
Die Realisierung bis Sommer 2013 ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Dennoch scheinen sich einige Befürchtungen nicht zu bestätigen, die bei einer anderen Ausgestaltung des Vorhabens real geworden wären. So liegen zum Beispiel alle Ladennutzer unmittelbar an der Turmstraße und die Geschäfte haben von dort ihren Zugang. In der Konsequenz wird kein Publikumsverkehr von der Einkaufsstraße in das Gebäude hineingezogen (ähnlich einer Shopping-Mall). Das sorgt auch weiterhin für ein lebendiges Straßenbild. Die Ankermieter dm und C&A sind für die in Moabit vorhandene Kaufkraft angemessen. Ohne ein Hotel scheint es bei einem derartigen Investitionsprojekt wohl nicht mehr zu gehen, aber es sorgt auch dafür, dass nicht noch mehr Verkaufsfläche entsteht als ohnehin schon. Denn von Anfang an war die Revitalisierung des Hertie-Areals im Zusammenhang mit den Planungen für das Schultheiss-Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zu sehen, und natürlich war die bei beiden Projekten insgesamt entstehende Verkaufsfläche in Bezug zu setzen zur vorhandenen Kaufkraft in Moabit.
Obwohl bereits seit mehr als einem Jahr aktiv, ist das Bestehen der Stadtteilvertretung Turmstraße vielen Bürgerinnen und Bürgern noch immer nicht bekannt. Bei der nun turnusgemäß anstehenden Neuwahl des Gremiums hofft man, alle Bevölkerungs- und Altersgruppen sowie Nationalitäten besser zu erreichen als bisher. Dies soll sich nun ändern. Die Stadtteilvertretung lädt ein zur
Wahlversammlung
14. März 2011, 19.00 Uhr
Heilands-Kirche, Thusnelda-Allee 1, 10555 Berlin
Besondere Vorfestlegungen zur Teilnahme an der Wahl gibt es nicht. Wer in Moabit wohnt oder ein Gewerbe betreibt und mindestens 16 Jahre ist, kann sich zur Wahl stellen bzw. mitwählen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Wer am Wahltag verhindert ist, aber dennoch die Mitarbeit wünscht, kann seine Kandidatur vorab erklären. Zur Kontaktaufnahme dient dabei die Internet-Plattform der Stadtteilvertretung, stadtteilvertretung-turmstrasse.de.
In den nächsten Jahren wird viel Geld in das Gebiet rund um die Turmstraße fließen. Mit dem Bund-Länder-Förderprogramm „Aktive Zentren“ stehen dafür etwa 4,7 Mio. € zur Verfügung. Der Kleine Tiergarten und der Ottopark sollen neu gestaltet werden, die Turmstraße soll wieder attraktiver werden. Jede und jeder kann von Anfang an mit gestalten, kann sich an den aktuellen Planungen beteiligen und eigene Vorstellungen und Ideen einbringen. Die Stadtteilvertretung ist dabei ein wichtiger Partner der Verwaltung und kommunalen Vertreter. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert, sich zu beteiligen, damit das Geld auch in ihrem Sinne eingesetzt wird.
Bisher erfolgt die inhaltliche Arbeit der Stadtteilvertretung in verschiedenen Arbeitsgruppen:
Der AG Grün, die sich um die Neugestaltung des Kleinen Tiergartens und des Ottoparks kümmert,
der AG Verkehr, die die Gestaltung der Verkehrsführung in der Turmstraße und in Moabit begleitet,
der AG Markthalle, die die Umgestaltung der Arminius-Markthalle begleitet und
der AG Nutzung und Soziales.
Weitere AGs sind bei Bedarf und Interesse möglich und gewünscht. Bringen Sie Ihr Wissen und Ihre Interessen ein!
Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder der Stadtteilvertretung, um die Arbeit im Ganzen zu koordinieren. Schnittstelle zur Verwaltung ist das Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektsteuerung (KO-SP GmbH), das von der Senatsverwaltung beauftragt wurde, der Stadtteilvertretung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Das Geschehen rund um die Arbeit der Stadtteilvertretung findet auch seinen Niederschlag in der Kommunalpolitik. Das Interesse der Fraktion Bündnis 90/Grüne, Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) passend zur Wahl im Herbst 2011 als untätigen Bremser dastehen zu lassen, ist nur allzu offensichtlich und primitiv. Offenbar ist beabsichtigt, auch die Stadtteilvertretungen für konstruierte Konflikte zu nutzen. Dagegen wehren wir uns und werden als Sozialdemokraten in Moabit auch in Zukunft unser Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Bezirk in den Mittelpunkt stellen.

Das ehemalige Hertie-Kaufhaus an der Turmstrasse
Die Turmstraße ist die traditionelle Geschäftsstraße in Moabit und ein wichtiger Standort für die Nahversorgung. Durch ihre zentrale Lage und die gute Anbindung an den ÖPNV, insbesondere durch U-Bahn und Buslinien, sind hier und in den Seitenstraßen und in der denkmalgeschützten Arminius-Markthalle über 120 Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister ansässig. Hinzu kommen bedeutende öffentliche Einrichtungen, wie das Rathaus Tiergarten und das Brüder-Grimm-Haus.
In den letzten Jahren hat die Turmstraße jedoch einen erheblichen Funktions- und Bedeutungsverlust erlitten, verbunden mit sinkender Anerkennung bei der Bevölkerung. Vorläufiger Tiefpunkt war die Schließung der Kaufhäuser Hertie und Woolworth 2009 bzw. 2010. Ins Auge fallen erhebliche Defizite beim Branchenmix und die fehlende Aufenthaltsqualität. Natürlich mindert die fehlende Kaufkraft der Wohnbevölkerung die Anziehungskraft Moabits auf Investoren insbesondere aus dem Einzelhandel.
In Kenntnis dieser Problemsituation wurde das Gebiet rund um die Turmstraße im November 2008 per Senatsbeschluss in das Bund-Länder-Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren (AZ) aufgenommen. Oberstes Ziel ist die Stärkung und Profilierung dieses - gemäß Stadtentwicklungplan Zentren 2020 - ”Besonderen Stadtteilzentrums”. Darüber hinaus ist die Einrichtung eines Sanierungsgebietes für diesen Bereich beabsichtigt.
Die ersten, wenn auch kleinen Schritte zeichnen sich bereits ab. Im Juli 2010 wurde das Wettbewerbsverfahren zur Umgestaltung des Bereiches Kleiner Tiergarten/Ottopark abgeschlossen. Die Ideen des Siegerentwurfs sollen nun schrittweise umgesetzt werden. Außerdem konnte mit der Zunft AG ein neuer Betreiber für die unter Denkmalschutz stehende Arminius-Markthalle gefunden werden. Das Konzept für das Zunft[werk]-Manufakturenkaufhaus setzt auf Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit und bietet neben den bereits ansässigen Händlern auch Raum für regionales Handwerk, Gastronomie und Kultur. Dieses Konzept, verbunden mit der Umgestaltung der über Jahre heruntergewirtschafteten Markthalle, hat viel Anerkennung gefunden.
Hierbei kommt der Aktivierung der Gewerbetreibenden und der Einrichtung eines Geschäftsstraßenmanagements besondere Bedeutung zu. Dieses soll dazu beitragen, die Turmstraße unter Berücksichtigung der vielfältigen Potenziale und vorhandenen Ansätze zu einem attraktiven und funktionsfähigen Einkaufs- und Versorgungsstandort für Moabit zu entwickeln. Lokale Akteure – darunter Händler, Dienstleister, Gastronomen und Eigentümer – sollen professionelle Unterstützung erhalten und für ein gemeinsames, institutionelles Handeln gewonnen werden. Den Auftrag vergab das Bezirksamt Mitte im Dezember 2010 an das Büro “die raumplaner”. Das Projekt hat eine Laufzeit von zunächst 12 Monaten.
Dort hat man sich vorgenommen, neben den Gewerbetreibenden verstärkt auch die Grundstückseigentümer anzusprechen, um mehr Investitionen eine bessere Gewerbemischung zu erreichen. Beides ist jedoch nur schwer möglich, wie die Bemühungen des “Aktiven Zentrums” gezeigt haben. Da Investionen privater Eigentümer nicht Teil des AZ-Programms sind und das Gewerbemietrecht frei von Vorgaben ist, sieht selbst der zuständige Stadtrat außer reiner Freiwilligkeit keine Möglichkeit, die Eigentümer einzubinden. Erschwerend kommt noch die diffizile Eigentümerstruktur entlang der Turmstraße hinzu, wo jedes Haus einen anderen Eigentümer hat.
Parallel zu den Aktivitäten im “Aktiven Zentrum Turmstraße” haben in den vergangenen Jahren Vorbereitende Untersuchungen gemäß § 141 BauGB stattgefunden. Die förmliche Festlegung als Sanierungsgebiet soll in Kürze erfolgen, so heißt es seit letztem Sommer. Schließlich ist die Turmstraße auch Teil des Aktionsraumes plus “Wedding-Moabit”. In diesem und vier weiteren benachteiligten Berliner Gebieten wollen sich der Senat und die Bezirke künftig verstärkt um die Verbesserung der Zukunftschancen der ansässigen Bevölkerung bemühen. Dieser Aktionsraum konzentriert sich auf die Bereiche, die bislang von keiner weiteren Förderkulisse erfaßt sind, in dener aber durchaus Handlungsbedarf besteht. Welche Möglichkeiten zum bürgerschaftlichen Engagement hier bestehen, ist noch nicht bekannt.
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