An dieser Stelle einmal ein Beispiel, wie wir als einfache SPD-Mitglieder Themen aufnehmen und an die richtige Stelle transportieren können. Die SPD Alt-Moabit veranstaltet über das ganze Jahr verteilt Info-Stände, um den Bürgern hier als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Oft heißt es ja, dies wäre nur im Wahlkampf so…
Vor einigen Wochen traf ich an einem solchen Infostand, den die SPD Alt-Moabit in der Levetzowstraße veranstaltete, Hannes von Goesseln, der im “Bürgerverein Hansaviertel” für den Bereich Architektur zuständig ist und auch mit der Neubebauung auf dem Gelände des Konsistoriums Altonaer- Ecke Bachstraße befaßt ist.
Nun war Herr von Goesseln zu Gast beim AK Stadtpolitisches Forum, um die Planungen den Interessierten SPD-Mitgliedern vorzustellen.
Das ehemalige Konsistorium der Evangelischen Kirche steht bereits seit mehr als zehn Jahren leer, denn 2000 zog das Konsistorium – die oberste Verwaltungsbehörde der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg- an seinen heutigen Standort nach Friedrichshain. Seitdem tut sich hier nichts mehr.
2009 jedoch kam es – von der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen – zu einem “Eigentümerwechsel”: Die Kirche veräußerte das Objekt an die Hilfswerk-Siedlung, ein Wohnungsunternehmen mit Sitz in Berlin. Damit bleibt die Immobilie gewissermaßen in der Familie – die Hilfswerk-Siedlung ist nämlich eine Tochtergesellschaft der Evangelischen Kirche und des Diakonischen Werks, von der wirtschaftlichen Ausrichtung jedoch so kommerziell wie jedes andere Wohnungsbauunternehmen auch.
Dort hat man sich viel Zeit gelassen. Fest steht jedoch soviel: Das bestehende Gebäude wird abgerissen. „Ein Abriss ist wünschenswert“, sagt auch Ephraim Gothe, Baustadtrat des Bezirks Mitte. Unter Denkmalschutz steht die Immobilie nicht. Gothe wünscht sich einen Wohnanteil von mindestens 50 Prozent und lobt, die Hilfswerk-Siedlung habe „schon gute Konzepte entwickelt“; jedenfalls unter Berücksichtigung der geltenden gesetzlichen Grundlagen ist das so.
Mit Wohnbau kennt sich auch die Hilfswerk-Siedlung aus. Sie bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund 8000 Wohneinheiten. An der viel befahrenen Bachstraße allerdings dürften Wohnungen nicht gerade einfach zu vermarkten sein. Umso attraktiver ist die Rückseite des weitläufigen Grundstücks des ehemaligen Konsistoriums: Sie grenzt nämlich direkt an die Spree – und das Wohnen am Wasser wird auch in Berlin immer beliebter: Daraus resultiert wohl auch der Name des geplanten Komplexes, der “HansaHof an der Spree“. Entstehen sollen hier rund 18 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, von denen mindestens die Hälfte für Wohnungen reserviert sein soll. Auf den restlichen Flächen sollen Büros und Geschäfte für den täglichen Bedarf Platz finden.
Der architektonische Entwurf stammt vom Berliner Büro Nöfer Architekten, die Stadtplanung von der GfP Gesellschaft für Planung aus Berlin. Zwischen Altonaer Straße, Bachstraße, Cuxhavener Straße und Spree soll eine Blockrandbebauung entstehen, die einen großen Innenhof umschließt. Diese städtebauliche Figur orientiert sich an den Vorgaben des zu Beginn dieses Jahres vom Senat beschlossenen Planwerks Innenstadt.
Dieses Konzept hat die Hilfswerk-Siedlung jetzt der Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Mitte vorgestellt.
Kritik fand bereits der geplante Verteilungsschlüssel, denn geplant sind meist Kleinstwohnungen von der Größe eines Hotelzimmers. Diese Planung lehnt die SPD ab, denn sie führt zu mehr Ferienwohnungen und weniger Nachbarschaft. Was hier fehlt, sind Wohnungen für Familien. Das Hansaviertel selbst mit hoher Eigentumsquote und kleinen Wohnungen deckt die Erwartungen der Gegenwart nur gegrenzt ab.
Die SPD Alt-Moabit fordert deshalb den Bezirksstadtrat von Mitte und die Eigentümer auf, das Grundstück Bachstraße 1 -2 im Sinne der Stadtlandschaft und getreu den Leitlinien der Interbau 57 sowie im städtebaulich charakteristischen Kontext des Hansaviertels zu bebauen und vorher einen und vorher einen Wettbewerb (kein Gutachterverfahren) mit einer unabhängigen Fachjury und einer auf mindestens 25 Architekturbüros begrenzten Teilnehmerzahl auszuloben. Von den engen Vorgaben des Planwerks Innenstadt ist an dieser Stelle abzurücken.
Folgende Links zur weitergehenden Information:
Petition für den Erhalt des ehemaligen Konsistoriums im Hansaviertel
Noch ein Nachsatz: Am Tag nach der Abendveranstaltung bekam ich eine Mail von Herrn von Goesseln, er bedankte sich herzlich für die Gelegenheit, einmal bei uns von den Schwierigkeiten bei der Neubebauung berichten zu können. Ich denke, wir als mindestens optisch zuständige Abteilung können die Bedenken des Bürgervereins Hansaviertel nachvollziehen.
AV





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