SPD Alt-Moabit.

Gemeinsam für ein lebenswertes Moabit!

7. Mai 2012

Kiezpolitik/SPD Berlin Mitte

Der Stolperstein ist wieder da!

Karl Bublitz

Karl Bublitz

In der Woche vor Ostern 2012 ist der Stolperstein, der an den vom NS-Regime 1945 ermordeten früheren Berliner Stadtverordneten der SPD Karl Bublitz erinnert, wieder eingesetzt worden.

Im Jahr 2008 hat das „Aktive Museum“, ein Verein, der sich seit Jahren sehr intensiv mit der Geschichte des Faschismus und des Widerstandes in Berlin beschäftigt, mit dem für das Westfälische Viertel in Moabit zuständigen SPD-Ortsverein, der Abteilung 8 – „Alt-Moabit“ der SPD Mitte, Kontakt aufgenommen.

Der Hintergrund dieser Kontaktaufnahme ist die andauernde Initiative des „Aktiven Museums“ gewesen, mit Stolpersteinen an die durch die Nazis ermordeten Berliner Stadtverordneten und Magistratsmitglieder zu erinnern.

Bei der Person, an die seitdem erinnert wird, handelt es sich um Karl Bublitz, einen früheren sozialdemokratischen Stadtverordneten von Berlin, der vor seiner Inhaftierung durch die Nazis und Einlieferung in das KZ Sachsenhausen seine letzte Wohnadresse in der Dortmunder Str. 2 hatte.

Zur Biographie: Karl Bublitz

19.01.1882 Posen – 1945 verschollen nach KZ-Haft
Stadtverordneter
1926 – 1933 Wahlkreis 2 Tiergarten (SPD)

Der kaufmännische Angestellte hatte 1907 Klara Jacob, die Schwester von Mathilde Jacob, der Sekretärin Rosa Luxemburgs, geheiratet. 1910 wurde er Geschäftsführer beim Zentralverband der Angestellten, der damaligen Angestelltengewerkschaft.

Vor dem Ersten Weltkrieg trat er in die SPD ein. Von 1917 bis 1922 gehörte er der USPD an und kehrte dann zur SPD zurück. Vom Oktober 1928 war er beim Arbeitsamt Nord in der Erwerbslosenfürsorge angestellt, 1931 wurde er Direktor des Arbeitsamts Nord. Im März 1933 wurde er aus politischen Gründen entlassen.

Karl Bublitz wurde im Juli 1933, nach bereits erfolgtem Verbot der SPD, auf der Grundlage der Verordnung zur Sicherheit der Staatsführung, das Mandat entzogen und ihm die Tätigkeit als Stadt- und Bezirksverordneter verboten.

Er verlor auch seinen Vorstandsposten bei der AOK der Stadt Berlin und seine Stelle als Direktor des Arbeitsamtes. Hinzu kam die Verfolgung der Familie Bublitz aus „rassischen“ Gründen, denn seine Frau Klara war jüdischer Herkunft. Nach dem Attentat auf Hitler im Juli 1944 geriet Bublitz ins Visier der Terrormaßnahmen der „Aktion Gewitter“. Er wurde am 22. August 1944 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht.

Anfang 1945 gab es ein letztes Lebenszeichen von ihm in Form eines Briefes an seine Frau, seit dem an galt er als verschollen. Das Amtsgericht Tiergarten erklärte den 8. Mai 1945 zum Todesdatum von Karl Bublitz.

Sehr gerne hat die SPD-Abteilung „Alt-Moabit“ das Angebot des „Aktiven Museums“ zur Übernahme einer Patenschaft für den Stolperstein übernommen, und im Sommer 2008 wurde der kubische Betonstein versehen mit einer Messingplatte in einem sehr würdigen und feierlichen Rahmen vom Künstler und Initiator Gunter Demnig vor der früheren Kindertagesstätte in der Dortmunder-/Ecke Bochumer Straße eingesetzt.

Im Zuge des Abrisses der Kita und der Errichtung eines Wohnhauses einschließlich der „Buchkantine“ an dieser Straßenecke musste der Stolperstein vorübergehend entfernt werden. Mit dem neuen Wohngebäude existiert nun wieder die Wohnanschrift Dortmunder Straße 2.

Eine Anfrage engagierter Bürgerinnen und Bürger im Westfälischen Viertel (BI Silberahorn) nach dem Verbleib des Steins und die daraufhin erfolgte Kontaktaufnahme des „Aktiven Museums“ mit der zuständigen Baufirma hat diese nach Rücksprache mit dem Tiefbauamt veranlasst, den Stolperstein in den Bürgersteig unmittelbar vor dem Hauseingang Dortmunder Str. 2 einzulassen.

Die Abteilung „Alt-Moabit“ dankt allen Beteiligten für ihr Engagement zur Wiedereinsetzung des Stolpersteins in Erinnerung an Karl Bublitz, und sie erklärt ihre Bereitschaft, in Gedenken an die vielen Opfer des Faschismus, sämtliche Stolpersteine zu betreuen, die in ihrem Abteilungsgebiet (Westfälisches Viertel, Wohnviertel Wullenweberwiese, Turmstraße südliche Seite) in die Bürgersteige eingelassen sind.

Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die Stolpersteine Bundesratufer 9 und Levetzowstraße 16 in Erinnerung an die im KZ Theresienstadt ermordeten sozialdemokratischen Stadtverordneten Julius Moses und Georg Samolewitz.

Christine Kühnl-Sager, Aktives Museum

Dirk Kröger (V.i.S.d.P.) Vorsitzender Abt. Alt Moabit, SPD-Kreis Mitte

(Quelle für Biographische Daten und Foto: Vor die Tür gesetzt; Im Nationalsozialismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933-1945, Hrsg.: Verein Aktives Museum e.V. , Berlin 2006.)