SPD Alt-Moabit.

Gemeinsam für ein lebenswertes Moabit!

16. Februar 2011

Kiezpolitik/SPD Berlin Mitte

“Schultheiss” Bebauungsplan liegt aus

Bereits seit Jahren bewegt die Zukunft des Schultheiss-Areals die Menschen in Moabit. Schon seit Jahren ist hier eine Bebauung angekündigt, doch konnte in der schwierigen Gemengelage zwischen Denkmalschutz und Parkplatzzahl keine Einigung zwischen Investoren, Planern, der BVV und der Bezirksverwaltung gefunden werden.

Die Schultheißbrauerei steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Das Landesdenkmalamt hat erklärt, wie wichtig der Erhalt der alten Brauerei als vollständiges Ensemble ist. Die Brauerei wurde seit 1841 immer wieder aus- und umgebaut. Das älteste noch erhaltene Gebäude ist das Sudhaus mit den nördlich anschließenden Kellereien. Es entstand 1872-74. Das Gärhaus wurde 1895/96 erbaut, das Mälzereigebäude kam 1898 hinzu. Aus diesem Jahr stammt auch die damals neu gestaltete Fassade des Sudhauses. Im Jahre 1926 wurde das Kesselhaus umgebaut. Bis 1987 wurde an diesem Standort noch Bier gebraut. Zur Zeit nutzen viele kleine und größere Händler, Dienstleister und Freizeiteinrichtungen das Gelände, bei Gota Tapeten oder Teppichboden kaufen. KFZ-Werkstätten, asiatische Lebensmittel, eine Moschee ergänzen die Mischung.

Schon Mitte 2006 beantragte die “Stromstraße 11-17 GmbH & Co. Entwicklungs KG”, eine Projektentwicklungsgesellschaft der “HLG Projektmanagement”, beim Bezirksamtsamt Mitte die Aufstellung eines sog. Vorhabenbezogenen Bebauungs­planes. Dieser soll die rechtlichen Grundlagen schaffen, um auf dem Areal der ehemaligen Schultheiss-Brauerei an der Stromstraße zwischen Turm- und Perleberger Straße ein Einkaufszentrum zu errichten. Hierzu sollen auch mehrere der alten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude abgerissen werden, was erheblich dazu beigetragen hat, dass die Planungen seit ihrem Bekanntwerden im Jahr 2006 kontrovers diskutiert wurden. Der Partner der HLG bei der Finanzierung des Projektes ist die IKB Bank. Beide haben bereits das Einkaufszentrum am “Tempelhofer Hafen” projektiert ud umgesetzt. Erstmals stellten die beiden Gesellschaften ihre Pläne für das Schultheiss-Areal beim Turmstraßenfest 2007 der breiten Öffentlichkeit vor. Als vorgesehene “Ankermieter” werden stets Kaufland und C&A genannt.

Schwerpunkt der Auseinandersetzung zwischen den Projektentwicklern, dem Bezirksamt und dem Landesdenkmalamt war der Umfang der zu erhaltenden historischen Bausubstanz. Insbesondere für die erforderliche Zahl von Parkplätzen, die in einem Parkhaus untergebracht werden sollen, hätten einige Gebäude weichen müssen. Durch das ursprünglich von der HLG vorgelegte wären mehr als die Hälfte der gewachsenen Struktur verloren gegangen. Mit der Ablehnung dieser unbefriedigenden Lösung kam das gesamte Vorhaben zunächst zum Erliegen, bis ein weiterer Investor 2007 vor dem BVV Stadtentwicklungsausschuss eine alternative Planung vorlegte, die deutlich behutsamer mit dem Denkmalschutz umging und zudem eine geringere Bebauungsdichte vorsah. Diese alternative Planung kam jedoch nicht zum Zuge, da  die HLG Projektmanagement ihre bestehende Kaufoption genutzt und das Grundstück der ehemaligen Schultheiss-Brauerei erworben hatte.  Im April 2008 schließlich fand die sogenannte “frühzeitige Bürgerbeteiligung” zum Entwurf des Bebauungsplans für das Vorhaben statt, ohne dass es zuvor wesentliche Veränderungen am Entwurf  der HLG gab.

Visualisierung Einkaufscenter Schulheiss-Areal, Zeichnung: Kahlfeldt Architekten

Visualisierung Einkaufscenter Schulheiss-Areal, Zeichnung: Kahlfeldt Architekten

Ein Kompromiss musste daher gefunden werden, wollte man ein Vorankommen des Projektes nicht gefährden. Schließlich einigten sich Denkmalschützer und Bezirk mit der HLG im September 2008 auf einen Kompromiss. So bleiben nun die meisten der denkmalgeschützten Gebäude erhalten, jedoch soll eines der den Denkmalschützern am Herzen liegenden Gebäude abgerissen werden. Im Gegenzug verzichtete die HLG auf eine Überdachung der alten Ladestraße. Darüber hinaus wird ein Teil der erforderlichen Parkplätze in eine Tiefgarage im Untergeschoß eines Neubaus an der Turmstraße untergebracht. Nach dieser Einigung schien der Beginn der Baumaßnahmen unmittelbar bevorzustehen. Die Ursache, warum dies nicht so war, hat jedoch weder mit dem Objekt an sich noch den Auseinandersetzungen hierüber zu tun. Die finanzierende IKB Bank war während der Finanzkrise die erste deutsche Bank, die ins Straucheln geriet. Und so wurde es zunächst still um dieses Projekt. Insbesondere die Auslegung des Bebauungsplans wurde vom Investor bewußt hinausgeschoben, weil dieser noch keinen neuen realistischen Zeitpunkt für den Beginn der Baumaßnahmen absehen konnte.

In der Zeit vom 7.2. bis 7.3.2011 haben die Bürger die Möglichkeit, den Vorhabenbezogenen Bebauungsplan 1-43 VE für die Grundstücke Perleberger Straße 42, Turmstraße 25-26 und Stromstraße 11-17, im Bezirk Mitte, Ortsteil Moabit -so die exakte Bezeichnung des Schultheiss-Geländes-  gemäß § 3 Abs. 2 BauGB einzusehen. Hierzu sind auch Unterlagen auf den Seiten des Stadtplanungsamtes verlinkt:

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Vorhabenbezogener Bebauungsplan 1-43VE
Projektplan 1-43VE
Begründung 1-43VE

Die Bezirksverordneten erhielten Stellungnahmen der beteiligten Behörden:

Behördenbeteiligung

Sie möchten als Bürger Stellung beziehen und sich in die Planung einmischen? Dann nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Stellungnahme zum Vorhabenbezogenen Bebauungsplan 1-43VE während der Auslegungszeit formlos postalisch über dieses Onlineformular des Bezirksamts Mitte abgeben.

Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, die Unterlagen persönlich beim Stadtplanungsamt einzusehen und bei den zuständigen Mitarbeitern nachzufragen will. Der B-Plan Entwurf  wird Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 9 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 14 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung im Bezirksamt Mitte von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung, Amt für Planen und Genehmigen – Fachbereich Stadtplanung -, Zimmer 169, 1. Etage, Müllerstraße 146/147 (Altbau), 13353 Berlin, Telefon: 9018 45873, bereitgehalten.

Zu Vertiefung über die Geschichte des Ortes und die langjährige Projektgeschichte sind einige lesenswerte Artikel erschienen. Sie finden diese unter

moabitonline.de.

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