SPD Alt-Moabit.

Gemeinsam für ein lebenswertes Moabit!

Allgemein

Stolperstein Neuverlegung für Karl Bublitz in der Dortmunder Straße

Die SPD Alt-Moabit hat seit vielen Jahren die Patenschaft für den Stolperstein von Karl Bublitz in der Dortmunder Straße 2 in Berlin-Mitte übernommen. Bei Bauarbeiten war dieser entfernt und leider nicht wieder eingesetzt worden. Nun wurde er am 3. September durch den Künstler Gunter Demnig neu verlegt.

Anlässlich der Aktion, bei der gut 30 Bürgerinnen und Bürger sowie ein holländisches TV-Team anwesend waren, erinnerte der stellvertretende Abteilungsvorsitzende Dirk Kröger in einer Rede am 3. September 2018 an den Berliner Stadtverordneten Karl Bublitz und die Hintergründe der Stolpersteinverlegung:

„Sehr geehrter Herr Demnig, als Initiator der Stolpersteinverlegungen,

sehr geehrte Frau Bianchi, als Mitarbeiterin von Stolperstein e.V.,

sehr geehrte Frau Zipprich,

sehr geehrte Frau Braun als Vertreterinnen der Hausgemeinschaft, Dortmunder Str. 2,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Genossinnen und Genossen!

Im Namen der SPD Alt-Moabit begrüße ich Sie bzw. Euch sehr herzlich und danke für das morgendliche Erscheinen zur neuerlichen Verlegung eines Stolpersteins für Karl Bublitz, bis zu seiner Verhaftung 1944 wohnhaft in der Dortmunder Straße 2.

Von 1921-1933 war Karl Bublitz Mitglied der SPD-Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung und hat dort die Menschen aus dem Bezirk Tiergarten vertreten. Er war somit einer der Vorgänger des heutigen Tiergartener SPD-Wahlkreisabgeordneten Thomas Isenberg. Thomas Isenberg bedauert es außerordentlich, heute nicht hier sein zu können. Aber just zu diesem Zeitpunkt findet eine Gesundheitsausschusssitzung des Berliner Abgeordnetenhauses statt. Er lässt Sie bzw. Euch sehr herzlich grüßen.

Vor 10 Jahren standen wir gemeinsam mit Herrn Gunter Demnig hier schon einmal zur ersten Stolpersteinverlegung in Erinnerung an Karl Bublitz. Unser Ortsverein hat damals sehr gerne das Angebot von Stolperstein e.V. angenommen, die Patenschaft für den Stein zu übernehmen.

Die Adresse Dortmunder Str. 2 gab es allerdings zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wieder. Erst mit dem Abriss eines Kitagebäudes und durch die Neubebauung des Grundstückes Dortmunder Straße/Ecke Bochumer Straße mit einem Wohnhauskomplex ist die Adresse wiederentstanden. Die Sanierung der Dortmunder Straße, der entsprechenden Gehwege zusammen mit einer ausgeprägten Neubepflanzung von Straßenbäumen im letzten Jahr ist sehr wahrscheinlich die Ursache für den Verlust des 1. Stolpersteins. Eine wochenlange Suche danach hatte leider keinen Erfolg.

Ich danke an dieser Stelle dem Bezirksamt Mitte sehr herzlich, dass es die Verantwortung für den Verlust übernommen hat.

Rede von Dirk Kröger, SPD

VERLEGEORT BEZIRK/ORTSTEIL VERLEGEDATUM

Dortmunder Str. 2 Mitte – Moabit Juli 2008 / September 2018

Hier nun die Biografische Zusammenstellung über Karl Bublitz, die ich den Informationen von Aktives Museum Berlin e.V. entnommen habe:

  • GEBOREN wurde Karl Bublitz am 19.01.1882 in Posen / Poznań
  • Sein erlernter BERUF war Kaufmann.
  • Karl Bublitz war von 1921 – 1933 Berliner STADTVERORDNETER.
  • Zuerst auf Stadtwahlvorschlag der USPD, in den darauffolgenden Jahren auf Vorschlag der SPD.
  • Von 1926 – 1933 auf Vorschlag der SPD vertrat Karl Bublitz den Wahlkreis 2 im Bezirk Tiergarten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung
  • VERHAFTET am 22.08.1944 in Berlin
  • INHAFTIERT ab August 1944 bis Januar 1945 im KZ Sachsenhausen
  • ERMORDET (mglw. bereits) im Januar 1945 im KZ Sachsenhausen

Der kaufmännische Angestellte Karl Bublitz heiratete 1907 die Jüdin Klara Jacob, die eine Schwester von Mathilde Jacob, Rosa Luxemburgs Sekretärin, war. Er wurde 1910 Geschäftsführer beim Zentralverband der Angestellten, einer Gewerkschaft. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg trat er in die SPD ein, wechselte 1917 zur USPD und kehrte 1922 zur SPD zurück. 1929 fand er eine Anstellung beim Berliner Arbeitsamt Nord. 1933 wurde er als Stadtverordneter wiedergewählt. Nach dem SPD-Verbot vom Juni und der Verordnung zur Sicherheit der Staatsführung vom Juli 1933 wurde ihm das Mandat entzogen und die Tätigkeit als Stadt- und Bezirksverordneter verboten. Bublitz verlor auch seinen Vorstandsposten bei der AOK der Stadt Berlin und seine Stelle als Direktor des Arbeitsamtes. Zunächst machte er sich selbständig und eröffnete ein Holzgeschäft an der Gotzkowskybrücke, das er aber 1937 aufgeben musste. Danach arbeitete er als Versicherungsangestellter. Im Zuge der Aktion „Gewitter“ wurde er am 22.8.1944 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht.

Sein Sohn Felix Bublitz beschreibt 1958 die Verhaftung so:

„Karl Bublitz wurde am 22. August 1944 von zwei Kriminalbeamten festgenommen und mit der Straßenbahn 44 zum Polizeipräsidium am Alexanderplatz gebracht. Bis zum Eingang Kaiserstraße habe ich ihn begleitet und dort das letzte Mal gesehen. Mit den Namen der Beamten und der Nummer des Haftbefehls kann ich Ihnen leider nicht dienen. […] Mein Vater schrieb dann später aus dem KZ Sachsenhausen. Der letzte Brief war von Anfang Februar 1945. Die Schutzhaftnummer war 93040, Block 34. Er soll im Februar 1945 mit dem Zuge nach Bergen-Belsen gebracht worden sein.“

Also Anfang Februar 1945 erhielten seine Frau und sein Sohn Felix, der als „Mischling“ seit 1944 zur Zwangsarbeit verpflichtet war, den letzten Brief von Karl Bublitz aus Sachsenhausen. Danach verliert sich seine Spur. Es kam nur noch ein Zettel, unterschrieben von einem SS-Hauptscharführer aus der Poststelle von Sachsenhausen: „Das hier für Karl Bublitz abgegebene Packet ist nicht zustellbar und ist bis 17.2.1945 auf der Poststelle abzuholen, ansonsten der Inhalt dem Schutzhaftlager zur Verteilung übergeben werden muss.“ Nach dem Tod seiner Mutter wanderte Felix Bublitz 1950 nach Australien aus. Immerhin hat die Familie nach Ende des Krieges für entgangene Einkommensverluste noch eine Entschädigung erhalten.

 

Verlegung durch Gunter Demnig

Mit Stolpersteinen an die vielen Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, und damit auch darauf aufmerksam zu machen, welchen menschlichen Verlust wir durch die Vertreibung und Ermordung so vieler Menschen erlitten haben, ist für mich eine der großartigsten politischen Ideen überhaupt.

In Zeiten des Wiedererstarkens von Rassismus, völkischem Nationalismus und unverschämtem Geschichtsrevisionismus in der Bundesrepublik Deutschland, hat die Einsetzung von Stolpersteinen als Zeichen gegen das Vergessen an Bedeutung noch massiv hinzugewonnen.

Mit der Übernahme der weiteren Patenschaft auch für diesen Stolperstein dokumentieren wir, dass der hiesige SPD-Ortsverein, die Abteilung Alt-Moabit, den Genossen Karl Bublitz als Sozialdemokraten, vor allem aber als eines der vielen Opfer des barbarischen deutschen Faschismus, niemals vergessen wird, und wir ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“

gez. Dirk Kröger, stv. Vorsitzender der Abteilung 8 – Alt-Moabit, SPD-Kreis Mitte

 

Mehr zu der Aktion „Stolpersteine“ unter: www.stolpersteine.eu

Allgemein/SPD Berlin

Mitgliederversammlung im Juni zum Thema Solidarisches Grundeinkommen

„Solidarisches Grundeinkommen“

 
Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) der SPD Mitte befassten wir uns in der letzten Mitgliederversammlung vor der Sommerpause mit dem Konzept des Solidarischen Grundeinkommens. Als Referenten begrüßten wir Robert Drewnicki*, den Referatsleiter für „Politische Grundsatzangelegenheiten“ der Senatskanzlei und Vertrauter von Michael Müller.

Ausschnitt Präsentation „Das Solidarische Grundeinkommen“**

 
Robert berichtete zunächst, dass das Solidarische Grundeinkommen als eines der politischen Themen der Bundesratspräsidentschaft Michael Müllers, die im Oktober 2017 begann, rund um den Schwerpunkt „Digital und Sozial“ gesetzt werden sollte vor dem Hintergrund der Entwicklung – auch des Berliner Arbeitsmarktes. Dabei gab er zu bedenken, dass die Idee aus der damaligen Oppositionsrolle der SPD auf Bundesebene heraus reifte, was vor allem mit Blick auf die Frage nach der Umsetzbarkeit noch relevant werden dürfte.
 

Kerngedanken des Konzepts Solidarisches Grundeinkommen:

 

  • Teilhabe statt Ausschluss: durch soziale Anerkennung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben,
  • Doppelte Solidarität: des Staates gegenüber Menschen sowie der Menschen gegenüber der Gesellschaft im Rahmen der Daseinsvorsorge,
  • Freiwilligkeit: Stärkung von Selbstverantwortung statt Zwang.
Ziel ist, neue sowie gesellschaftlich relevante und zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse, die sich am ersten Arbeitsmarkt orientieren zu schaffen, die aber keine bestehende Arbeit verdrängen sollen. Außerdem sind sie: fair bezahlt, unbefristet und sozialversicherungspflichtig.
 

Mögliche Beschäftigungsfelder sind:

 

  • Assistenzen in öffentlichen Einrichtungen, z.B. bei Instandhaltung- und Conciergedienstleisunten
  • Service-Personal im öffentlichen Nahverkehr, z.B. Mobilitätsbegleitung
  • unterstützende Tätigkeiten in Kultureinrichtungen oder bei gemeinnützigen Vereinen

Der Vorschlag Michael Müllers erfuhr vielfältige wie positive Resonanz. So nahm sich etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sogleich des Vorschlags an, prüfte den Reformvorschlag auf seine Finanzierbarkeit und bescheinigte dem Instrument „moderate fiskalische Kosten“. Im DIW aktuell Nr. 8 finden sich dazu ausführliche Beispielrechnungen sowie eine Einschätzung des Konzepts.

Pilotprojekt in 2019

 
Dieser Vorschlag soll erster Schritt für eine Veränderung des Sozialstaats und für Langzeitarbeitslose auch eine Alternative zu „Hartz IV“ sein. Befragt zum zeitlichen Rahmen einer Umsetzung kündigte Robert ein Pilotprojekt voraussichtlich für das erste Halbjahr 2019 an und hielt es für möglich, dass es der Vorschlag in das nächste Programm für die Bundestagswahl schafft.

Diskussion Solidarisches Grundeinkommen

 
Nach Roberts Einführung beantwortete er zahlreiche Fragen von uns Genossinnen und Genossen vor allem zur konkreten Ausgestaltung des Konzepts, seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft, den Arbeitsmarkt und „Hartz IV“ sowie auf den Einzelnen (u.a. Stichwort: Weiterbildung und lebenslanges Lernen).
 
Wir hoffen, dass auch Robert die eine oder andere Anregung mitnehmen konnte, danken ihm für seinen Einsatz und sind gespannt auf die Weiterentwicklung dieses Reformvorschlags.
 
 

Anhang

*mehr zu Robert Drewnicki auf Facebook und Twitter
**Quelle: Präsentation „Das Solidarische Grundeinkommen (SGE)“, Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei, 04.06.2018

Kiezpolitik

Zusammenfassung der Abteilungsversammlung im Mai zum Thema Wohnraumverdichtung

In der letzten Mitgliederversammlung widmeten wir uns ausführlich dem Thema Wohnraumverdichtung.

Gerade im stetig wachsenden Berlin mit seiner akuten Wohnungsnot und als regierende SPD, ist Wohnpolitik ein Thema, das uns als Bürger*innen genauso wie als Mitglieder bewegt und das über viele Aspekte verfügt. Einer davon ist die Wohnraumverdichtung mit ihren Auswirkungen auf die Menschen und auf die Stadt. Mit einem detaillierten Vortrag unseres Mitgliedes Brigitte Nake-Mann, Informationen unseres Mitgliedes und Bürgerdeputierten Michael Kuhl sowie den Redebeiträgen von Katharina Mach und Ronald Eckert (beide Stadt- und Regionalplaner), die die Debatte in ihrer Freizeit mit persönlichen Einschätzungen und fachlichen Hinweisen unterstützten, besprachen wir das Thema mit knapp 20 engagierten Genoss*innen.

Abteilungsgebiet Abteilung 8, Alt-Moabit

Wohnraumverdichtung in Moabit:

Grob kann man sagen, dass Verdichtung bedeutet, dass mehr Wohnfläche und damit mehr Menschen auf dem selben Gebiet (Moabit) leben, was durch bauliche Maßnahmen ermöglicht wird. Für Moabit sind das vor allem die Schließung von Baulücken sowie Dachausbauten, aber auch Neubauten auf Flächen innerhalb von Häuserblöcken. Alles Maßnahmen, die man aktuell auch in unserem Abteilungsgebiet beobachten kann.

Auswirkungen von Wohnraumverdichtung für Moabit:

Nicht nur in unserem Abteilungsgebiet, sondern in ganz Berlin-Moabit konnte in den letzten 5 Jahren ein Netto-Zuzug von grob 10.000 Einwohner*innen geschätzt werden (lt. Michael Kuhl). Auswirkungen auf Menschen, die mal direkt, mal indirekt und mit unterschiedlicher Deutlichkeit spürbar sind, sind unter anderem:

Parksituation Krefelder Str./Bundesratufer

  • für Berlin: mehr Einnahmen durch Steuern und Länderfinanzausgleich
  • mehr Umsatz für örtlichen Handel
  • mehr Bedarf nach Schul- und Kita-Plätzen
  • mehr Bedarf nach Grundversorgung, u.a. ärztlicher Versorgung
  • höheres Verkehrsaufkommen
  • höherer Bedarf für Parkraum
  • größeres Konfliktpotenzial
  • weniger Naherholungsraum für wohnhafte Bürger*innen
  • Mangel an städtischem Grün mit seinen Auswirkungen

Neben der sogenannten Gentrifizierung kristallisieren sich hier Punkte heraus, die jede*r direkt im Kiez erfahren kann, wie z.B. zugeparkte Bürgersteige und Kreuzungen, aber auch Punkte, die nur indirekt spürbar sind. So kommen auf 1 Moabiter*in im Schnitt zwischen 2 und 4 qm wohnnahes Grün, was nur wenig Erholungsfläche bietet. Zusätzlich wirkt sich dies negativ auf das Stadt-Klima aus, denn Grünfläche sorgt in einer Stadt nachweislich für einen Temperatur-Ausgleich. Klimawandel und fehlendes Grün aber, lassen Städte im Sommer heißer werden und hemmen die Abkühlung.

Diskussions-Beiträge zur Wohnraumverdichtung:

Innerhalb der Diskussion wurden darüber hinaus einige Punkte angesprochen und Beiträge angestoßen, die für die Genoss*innen von Interesse waren. Stichpunktartig waren das unter anderem:

  • ca. 60 Jahre alter Baunutzungsplan für Berlin (West) bildet weiterhin rechtliche Grundlage
  • Kommunen/Gemeinden setzen Bebauungsplan fest
  • wo es keinen Plan gibt, gilt § 34 BauGB
  • nach Baunutzungsplan zulässige Geschossflächenzahl (GFZ) wird in Moabit regelmäßig überschritten, da Befreiungen möglich sind und diese auch genutzt werden
  • Befreiungen werden oft, nicht immer, erteilt
  • an die Befreiungen werden meist Auflagen geknüpft, zum Beispiel Dachbegrünungen
  • Baunutzungsplan aufheben bzw. neu verfassen wäre eine Frage des Bezirks
  • „Machbarkeitsstudie zur maximal verträglichen Verdichtung o.ä.“ in Auftrag geben, wäre möglich
  • wie kann man die Wohnqualität sichern, damit z.B. in 30 Jahren der Wohnraum nicht auf einmal leer steht und verfällt

Diese und weitere Anmerkungen und Redebeiträge waren Teil einer differenzierten Debatte zu dem Thema und sorgten dafür, dass sich einige Mitglieder dazu bereit erklärten, weiter sachlich Maßnahmen und Standpunkte in den kommenden Wochen und Monaten zu erarbeiten, die helfen sollen, politisch als Abteilung auf die Stadt-Entwicklung einzuwirken und unseren Kiez weiterhin lebenswert mitzugestalten.

Diskussion zum Thema Wohnraumverdichtung

Dazu ein persönlicher Beitrag unseres Abteilungs-Mitgliedes Brigitte Nake-Mann:

„Verdichtung wirkt dort kontraproduktiv, wo sie die Wohnqualität beeinträchtigt“ (Berlin, Stadtentwicklungsplan Wohnen 2025, S.66).
Ungeachtet dessen lassen sich auch im dicht bebauten Abteilungsgebiet jede Menge Beispiele für geplantes, aktuelles oder kürzlich vollendetes „Bauen im Bestand“ beobachten.

Geplant: Jagowstr. 14, Essener Str. 23/23a, Hansaufer 5.
Im Gang: Essener Str. 27, Alt Moabit 80, Solinger Str./Ecke Agricolastr.
Kürzlich beendet: Agricolastr. 23
Zahlreiche Dachausbauten kommen hinzu.
In Moabit-Nord boomt es ähnlich oder schlimmer…

Für das Land Berlin ist das vordergründig positiv: Mehr Einwohner, mehr Grundsteuern, mehr Kaufkraft, mehr Länderfinanzausgleich!
Negativ werden aber bestehende Probleme massiv verstärkt: Fehlende Schulplätze, fehlende Kitaplätze und Fachpersonal, fehlende Sportstätten; zugeparkte Straßenränder, selbst in „Spielstraßen“.
Illegales Parken überall, Gedränge und Konflikte auf den Gehwegen, übernutzte Grünflächen. Aufheizung des Stadtklimas – sozial und ökologisch.

Brigitte Nake-Mann zum Thema Wohnraumverdichtung

Dabei wissen es Stadtplaner besser und müssten es Politiker auch besser wissen:
Moabit-West (die sog. Bezirksregion, BZR) ist Grünmangelgebiet. Für die vielen EinwohnerInnen (1.1.15: 44.540 Ew.) hat Moabit-West von allen 10 BZR von Mitte die schlechteste Ausstattung mit wohnnahem öffentlichem Erholungsgrün. Hier gibt es so gut wie kein privates Grün, das öffentliches Grün ersetzen könnte.

Richtwert für wohnnahes öffentliches Grün: 6 qm pro Einwohner. Im Durchschnitt hat jeder Bewohner von Moabit-West nur 2,13 qm wohnnahes Grün. Notwendig ist also: Sicherung privater und öffentlicher Grünflächen, Vermehrung wo immer möglich. Keine Suche nach Baupotenzial, keine Baugenehmigungen, solange der Grünmangel besteht! Stadtplaner müssen es auch deshalb besser wissen, weil ihnen mit dem Landschaftsprogramm (LaPro), mit der „Umweltgerechtigkeit“ und dem Umweltatlas Berlin hervorragende, auch kleinräumige Planungsdaten und Argumente zur Verfügung stehen.

Um Informationen direkt aus der Berliner Praxis zu erfahren, nahmen zwei fachkundige Gäste (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Stadtplanungsamt Tempelhof-Schöneberg) an unserer
Mitgliederversammlung teil. Sie betonten zwei Knackpunkte:

  • Das BauGB (Baugesetzbuch) gewähre den Grundstückseigentümern Baurecht nach Maßgabe der kommunalen Bebauungspläne bzw. der näheren Umgebung. Dagegen sei der Flächennutzungsplan und das sog. „informelle Baurecht“ (Landschaftsprogramm, Umweltgerechtigkeit, Stadtentwicklungspläne) nur behördenverbindlich bzw. Absichtserklärung.
  • Der Berliner BNP (Baunutzungsplan), der im Innenstadtgebiet die zulässige GFZ (Geschossflächenzahl) auf 1,5 begrenzt und der im ehem. West-Berlin nach wie vor als „qualifizierter Bebauungsplan“ gilt, wird durch die Praxis der bezirklichen Baugenehmigungen ausgehebelt: Die Bauämter können sog. „Befreiungen“ (aus „städtebaulichen Gründen“) aussprechen. Die jahrzehntelange Westberliner Praxis gewährt den Grundeigentümern einen fast totsicheren Anspruch auf Baugenehmigung, und die Verwaltungsgerichte unterstützen sie dabei. Statt Baugenehmigungen wegen des Grünmangels auf Vorgaben des verbindlichen BNP zu begrenzen, versuchten die Bauämter, „Kompensationen“ (Dachbegrünung, Hofneugestaltung) durchzusetzen.

Merke: Baurecht ist Boden-Verwertungsrecht.

A u s b l i c k

Erfreulicherweise wollen sieben oder mehr GenossInnen am Thema „Verdichtung“ dranbleiben und haben eine Arbeitsgruppe gegründet. Für deren Arbeit sehe ich nach der Diskussion am 24. Mai folgenden vordringlichen Klärungsbedarf:

  • „Aber wir brauchen doch neue Wohnungen! Nur durch Wohnungsneubau können Mieten gesenkt oder zumindest stabilisiert werden.“
    Dieser Glaubenssatz muss empirisch verifiziert oder entzaubert werden.
  • „Was bedeutet diese Frage (Verdichtung auf Kosten von Grün- und Freiflächen) für die SPD?“
    Darauf könnte man mit dem Hinweis antworten: große Zahl der negativ Betroffenen – geringe Zahl der Begünstigten. Wie kann die Frage so formuliert werden, dass sie empirisch überprüfbar wird? Probe durch Wahlen?
  • Wollen wir (Abt. 8) politische Anstöße geben?
    – für die Berliner SPD: Änderung des Landesrechts (Berliner Bauordnung; Verbindlichkeit der Grün-Richtwerte u.a.)
    – für die Bundes-SPD: Stärkung von sozialen und ökologischen Anforderungen im BauGB, die dort ja auch enthalten sind. Ziel könnte eine umweltgerechte Stadtentwicklung sein, im Kontrast zu einer verwertungs- und spekulationsgetriebenen Stadt als Anlageobjekt.

Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!“

~3. Juni 2018, Brigitte Nake-Mann~

SPD Berlin

Neumitgliedertreffen vom Samstag, 09. Juni 2018

„Wie kann ich mich mit meinen politischen Ideen in der SPD einbringen? Welche Arten der Mitarbeit gibt es und wen kann ich ansprechen?“ Wer neu in der Partei ist, stellt sich viele Frage. Seit Jahresbeginn sind besonders viele Menschen in die SPD eingetreten und wollen nun aktiv mitgestalten.

Auf Einladung der SPD Bundestagsabgeordneten für Mitte, Eva Högl, diskutierten etwa 30 neue Mitglieder aus den Moabiter und Tiergartener Abteilungen am 9. Juni im Deutschen Bundestag über aktuelle politische Fragen, ihre Möglichkeiten der Mitarbeit und weshalb sie in die Partei eingetreten sind.

Eva Högl berichtete von den aktuellen bundespolitischen Debatten. Dabei interessierten sich die neuen Mitglieder besonders für die Themen Mietenpolitik, Asylpolitik, Musterfeststellungsklage, europäische Integration sowie die wiederhergestellte Parität in der Krankenversicherung interessierten die neuen Mitglieder dabei besonders.

Bei einer Hausführung erläuterte Eva Högl an den verschiedensten Orten im Haus ihren Arbeitsalltag und wie Politik ganz praktisch gemacht wird.

Anschließend gab der Abgeordnete für Tiergarten, Thomas Isenberg, einen kurzen Überblick über seine Arbeit im Berliner Abgeordnetenhaus.

Viele Nachfragen gab es zur Stimmung und zur Zusammenarbeit in der rot-rot-grünen Koalition, die auch bundespolitisch auf viel Interesse stößt und nach Ansicht vieler, auch Modell für weitere Bündnisse dieser Art in den Ländern und auch auf Bundesebene sein könnte.

 

Allgemein

STOLPERSTEINE putzen gegen das Vergessen

Zum Tag der Befreiung am 08. Mai ist es Tradition in der SPD Berlin, die STOLPERSTEINE zu reinigen, die an die Verfolgten des NS-Regimes gedenken.

Wie jedes Jahr nahmen auch Genossinnen und Genossen unserer Abteilung daran teil und pflegten am Wochenende akribisch die Messing-Steine, damit die Namen der Menschen aus Moabit, an die erinnert werden soll, wieder lesbar erscheinen. Spontan schlossen sich Menschen aus der Nachbarschaft der Pflege der Gedenktafeln gegen das Vergessen an und verhalfen den Opfern zu erneuerter Sichtbarkeit.

Das STOLPERSTEIN-Projekt des Künstlers Gunter Demnig ist in ganz Deutschland und in Teilen Europas vertreten und erinnert überall mit den Namen der Menschen an ihren letzten frei-gewählten Wohnorten, an die Verfolgten des Nationalsozialismus. Engagierte Bürgerinnen und Bürger nehmen das ganze Jahr über an der Pflege der STOLPERSTEINE teil und spenden für weitere Gedenktafeln, im Kampf gegen das Vergessen, dem auch wir uns verpflichtet fühlen.

 

 

Wer weitere Steine in Berlin initiieren oder sich über Biographien der Menschen und Standorte der Gedenktafeln informieren möchte, der findet auf www.stolpersteine-berlin.de weitergehende Informationen. Die Pflege der STOLPERSTEINE ist nicht schwer und wird auf der Seite mit einem kleinen YouTube-Video erklärt, so dass jeder sich dafür engagieren kann, den Opfern der NS-Zeit einen Namen zu geben.